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Ablauf einer Türöffnung

Der Klassiker: Die Tür ist "nur" zugezogen. Schlüssel liegen in der Wohnung.

Wenn ich vor einer zugefallenen Tür stehe, gehe ich nach einem klaren taktischen Schema vor. Mein Ziel ist es, den effizientesten Weg zu finden, um Sie schadenfrei zurück in Ihre Wohnung zu bringen. Die Entscheidung für das richtige Werkzeug fällt, basierend auf der Bauart Ihrer Tür meistens in sekunden.

Schritt 1: Die Kernfrage – Erreiche ich die Falle?
Bevor ich ein Werkzeug auswähle, analysiere ich, ob ich mit meinem Werkzeug an die Falle (der schrägen Bolzen) herankomme. Davon hängt alles Weitere ab.

Schritt 2: Einfach- vs. Doppelfalz
Parallel begutachte ich die Türfalz. Hier unterscheide ich zwei Fälle:

Szenario A: Die Standardtür (Einfacher Falz)
Ist die Tür einstufig in den Rahmen eingelassen, stehen mir vier bewährte Methoden zur Verfügung, um die Falle zurückzudrücken:

Die Türöffnungskarte (Standardmethode): Ich sprühe die Karte mit Silikonspray ein, um den Widerstand zu minimieren. Dann schiebe ich sie präzise bis zur Falle vor, um diese in den Schlosskasten zu drücken.

Die Öffnungsspirale: Ein sehr effektives Instrument, das ich bis zur Falle „vordrehe“, um den nötigen Druckpunkt zu finden.

Der Öffnungsdraht: Hierbei wird ein speziell gebogener Draht eingeführt, um die Falle nach hinten zu hebeln.

Türfallengleiter aus Metall: Ein hervorragendes Werkzeug, sofern der Spalt zwischen Tür und Zarge groß genug ist, um das stabilere Metallblatt einzuführen.


Szenario B: Die Doppelfalztür (Häufig bei Holztüren)
Viele Holztüren haben einen Doppelfalz – also eine doppelte Abstufung im Rahmen. Das macht den Weg zur Falle etwas komplizierter, da das Werkzeug wortwörtlich „um die Ecken“ arbeiten muss.

Meine Wahl: Hier kommen fast ausschließlich die Türöffnungskarte oder die Spirale zum Einsatz, da diese flexibel genug sind.
Was garnicht oder nur bedingt funktioniert: Ein Metalldraht führt bei Doppelfalz nur in den seltensten Fällen zum Erfolg. Metallgleiter sind hier gänzlich ungeeignet, da sie die nötigen Kurven im Rahmen nicht nehmen können.

Die Ausnahme: Mehrfachfallen und Sicherheitsmechaniken
Die oben genannten Techniken funktionieren perfekt bei Standardtüren mit einer einzigen Falle. Doch die Sicherheitstechnik entwickelt sich weiter:

Türen mit 3 Fallen: Hier wird es knifflig. Diese Methoden funktionieren nur in absoluten Ausnahmefällen. Meistens gelingt dies nur durch Teamarbeit: Während eine Person (oder ein Hilfswerkzeug) konstanten Druck gegen die Tür ausübt, drücke ich Falle für Falle nacheinander in den Schlosskasten zurück.

Sonderfunktionen: Verfügt die Tür über mechanische Sperren oder Automatikverriegelungen, die das Zurückdrücken der Falle blockieren, bleibt die zerstörungsfreie Öffnung nur über das Zylinder-Picking (manuell oder mit dem Elektropick) möglich.


Die Klinkenangel und der Spionöffner – zerstörungsfreie Alternativen zur direkten Fallenöffnung

Oben habe ich beschrieben wie man eine Tür über das erreichen der Türfalle öffnet.
Doch nicht immer ist dieser Weg möglich. Manche Türen sitzen sehr eng im Rahmen oder verfügen über spezielle Dichtungen und Bauweisen, sodass weder Karte noch Spirale an die Falle herankommen.

Auch in solchen Fällen ist beim Schlüsseldienst Kimmel noch lange nicht Schluss mit der zerstörungsfreien Türöffnung. Wenn der direkte Zugang zur Falle nicht möglich ist, erfolgt die Öffnung indirekt – über die Betätigung der inneren Türklinke.

Die Klinkenangel
Die sogenannte Klinkenangel kommt dann zum Einsatz, wenn zwischen Türunterkante und Boden ein ausreichender Spalt vorhanden ist.

Die Technik
Hierbei wird ein speziell geformtes Werkzeug vorsichtig unter dem Türblatt hindurchgeführt. Mit viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl wird das Werkzeug im Innenraum so positioniert, dass es die Türklinke von innen greifen oder umschließen kann.

Sobald das Werkzeug korrekt angesetzt ist, wird durch kontrollierten Zug von außen die innere Klinke nach unten gedrückt. Die Falle zieht sich zurück – und die Tür öffnet sich, als hätte man sie von innen betätigt.

Voraussetzungen
Diese Methode funktioniert bei herkömmlichen Türklinken sehr gut. Befindet sich auf der Innenseite jedoch ein runder Türknauf oder ist die Klinke nicht erreichbar positioniert, muss auf eine andere Technik ausgewichen werden.

Der Spionöffner – Zugang über die Türspionöffnung
Wenn eine Öffnung unter der Tür nicht möglich ist oder die Bauweise dies verhindert, kann der Türspion eine alternative Zugangsmöglichkeit darstellen.

Die Technik
Zunächst wird der vorhandene Türspion vorsichtig und fachgerecht ausgebaut. Durch die entstandene Öffnung wird ein spezielles mechanisches Öffnungswerkzeug eingeführt – der sogenannte Spionöffner.
Dieses Werkzeug besteht aus einem präzise steuerbaren, beweglichen Mechanismus, mit dem gezielt die innere Türklinke betätigt werden kann.Mit ruhiger Hand und Erfahrung wird die innere Klinke heruntergedrückt, sodass sich die Tür öffnen lässt.

Nach erfolgreicher Öffnung wird der Türspion selbstverständlich wieder fachgerecht eingesetzt. Auf Wunsch kann dieser auch gegen ein neues oder moderneres Modell ausgetauscht werden.


Scenario: Die Tür ist abgeschlossen und Schlüssel verloren oder defekt. 

Strategien bei verschlossenen Türen
Bisher haben wir über zugefallene Türen gesprochen. Doch was passiert, wenn Sie Ihre Wohnung verlassen, ordnungsgemäß abgeschlossen haben und dann feststellen: Der Schlüssel ist weg? In diesem Fall ist die Mechanik des Schlosses verriegelt. Hier ist Geduld und echtes Fachwissen gefragt.

1. Die Königsklasse: Zerstörungsfreies Picken
Mein erster Versuch gilt immer der Manipulation des Zylinders. Ziel ist es, die Stifte im Inneren so zu sortieren, als wäre der passende Schlüssel im Profilzylinder.

Mechanisches oder Elektrisches Picken: Ich nutze hierfür feine Handwerkzeuge oder meinen Elektropick (z. B. den Multipick Kronos).

Die Realität: Ich bin ehrlich zu meinen Kunden – man kann nicht jeden Zylinder picken. Es erfordert enormes Fingerspitzengefühl. Wenn ein Zylinder jedoch alt, verschmutzt, mechanisch defekt ist oder extrem enge Toleranzen aufweist, stößt auch das beste Picking-Werkzeug an seine Grenzen. In diesen Fällen müssen wir zu zerstörerischen Methoden übergehen, um Sie nicht stundenlang im Kalten stehen zu lassen.

Zerstörende Öffnung: Chirurgisch statt grob
Wenn das Picken scheitert, muss der Zylinder weichen. Aber „zerstörend“ bedeutet bei mir nicht, dass Ihre Tür danach eine Baustelle ist. Ich wähle die Methode passend zu Ihrer Sicherheitsausstattung:

Spezialfall: Die Schutzrosette (Ziehschutz)
Verfügt Ihre Tür über eine Schutzrosette, die den Zylinder umschließt, ist Präzision alles.
Meine Technik: Ich verwende ausschließlich einen 3 mm Fräser.
Warum? Mit dem feinen 3 mm Fräser kann ich den Zylinderkern direkt bearbeiten, ohne den wertvollen Schutzbeschlag zu berühren. Würde ich einen 6 mm Fräser nutzen, wäre der Ziehschutz des Beschlags unweigerlich zerstört. Mein Ziel ist es, dass Sie nach dem Einsatz lediglich einen neuen Zylinder brauchen, aber keinen neuen Beschlag.

Spezialfall: Die Mehrfachverriegelung
Hier ist besondere Vorsicht geboten. Bei Türen, die an mehreren Punkten im Rahmen verriegeln, ist das Getriebe im Inneren der Tür sehr komplex.

Meine Technik: Bei Mehrfachverriegelungen wird bei mir grundsätzlich nur gefräst.
Warum? Methoden wie das Brechen oder Ziehen des Zylinders üben enorme mechanische Kräfte auf das Schlossgehäuse aus. Das Risiko, dass dabei die empfindliche Mechanik der Mehrfachverriegelung bricht, ist zu groß. Ein defektes Getriebe zu tauschen, kostet ein Vielfaches eines Zylinders. Deshalb ist Brechen oder Ziehen bei diesen Systemen für mich ein fachliches „No-Go“.

Der Standard: Das Einsteckschloss
Handelt es sich um ein handelsübliches Schloss und der Zylinder steht mindestens 3 mm aus dem Beschlag hervor, kommen zwei effektive und schnelle Methoden zum Einsatz:

Das Brechen (Knackrohr): Ich setze ein spezielles Knackrohr fest am Zylinder an. Durch gezielte Links-Rechts-Bewegungen wird der Profilzylinder an seiner schwächsten Stelle – der Mitte wo die Stulpschraube sitzt – buchstäblich zerbrochen. Danach kann ich die Teile entfernen und die Tür mit einem Bauschlüssel (einem Universalschlüssel für Schlossmechaniken) einfach aufschließen.

Das Kernziehen: Hierbei drehe ich eine hochfeste Spezialschraube in den Kern des Zylinders. Mit einem Kernziehgerät (oft „Glocke“ genannt) wird der Zylinderkern dann mit viel Zugkraft aus dem Gehäuse gezogen. Sobald der Kern draußen ist, lässt sich die Tür zum Beispiel mit einem Schraubendreher entriegeln.

Mein Versprechen: Sicherheit sofort wiederhergestellt
Nach einer zerstörerischen Öffnung ist Ihr Schloss natürlich unbrauchbar. Aber keine Sorge: Ich habe immer hochwertigen Ersatz an Bord. Wie bereits erwähnt, nutze ich bevorzugt die Basi Modular Zylinder (V50 und V55). Unmittelbar nachdem ich die Tür für Sie geöffnet habe, messe ich die exakte Länge aus und baue Ihnen direkt vor Ort einen neuen, passgenauen Zylinder zusammen. So ist Ihr Heim in kürzester Zeit wieder sicher verschlossen.

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